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Handwerkernotdienste in der Corona-Krise

Blitzumfrage unter Handwerkernotdiensten sowie alle aktuellen Informationen für betroffene Betriebe


Themen im Überblick:

Stand: 11.05.2020

Die Krise trifft die Handwerkernotdienste besonders hart

“Wenn es so weitergeht, sehen wir uns in unserer Existenz bedroht”, fürchtet Schlüsselnotdienst-Inhaber Armin Schreiber aus Essen. So geht es in der aktuellen Corona-Krise nicht nur ihm, sondern vielen Handwerkernotdiensten. Sie berichten von Umsatzrückgängen von bis zu 95 %. Daher wurde das Schlüsseldienst-Ladenlokal von Uwe Gentz aus Düsseldorf bereits geschlossen und wird nur noch geöffnet, nachdem eine telefonische Buchung erfolgt ist. Das Schlimme daran: Es ist kein Ende in Sicht. In der Anfangszeit konnte liegengebliebene Arbeit noch erledigt werden, aber irgendwann geht auch diese aus. Die schlechte Auftragslage sorgt für große Sorgen: “Es trifft uns finanziell schon sehr hart”, sagt die Lebensgefährtin von Gentz. Viele Handwerksbetriebe sind darüber hinaus Familienunternehmen. Es bricht im schlimmsten Fall das Gehalt von gleich mehreren Familienmitgliedern weg. Die Folge: Betriebsschließung.

Dies ist leider schon für einige von uns befragte Unternehmen Realität geworden.Vor einigen Wochen konnten diese noch für alle laufenden Kosten aufkommen – doch mittlerweile kam es zu den ersten Schließungen einiger Betriebe aufgrund der hohen wirtschaftlichen Verluste.

Dazu kommt bei den Betrieben, die noch arbeiten können, die ständige Angst, sich selbst zu infizieren. Mit Plexiglasscheiben an der Verkaufstheke, genug Abstand und ständigem Desinfizieren der Hände versuchen die Notdienste, sich selbst und ihre Kunden zu schützen. Einige Betriebe greifen auch schon zu Handschuhen und Mundschutz. Die Rohrreinigung Baumann aus Kamen hat Mitarbeiter sogar schon in eine Art Home-Office entlassen. Die Mitarbeiter arbeiten nur noch auf Abruf von zu Hause. Als einen Grund für die schlechte Auftragslage sehen die Notdienste auch die Angst der Kunden, sich bei den Handwerkern anzustecken. Gerade ältere Menschen würden es vermeiden sich Hilfe zu rufen, um sich selbst vor einer Tröpfcheninfektion zu schützen.

Die meisten Handwerksbetriebe stehen somit vor Herausforderungen und wissen nicht, wie lange sie die laufenden Kosten unter den jetzigen Bedingungen noch stemmen können. Nach den Umfrageergebnissen der ZDH zu den Auswirkungen von Corona im Handwerk planen 53% der Betriebe Kurzarbeitergeld zu beantragen, 36% haben dies bereits getan. Denn aufgrund fehlender Aufträge, stockender Lieferketten, Material- und Personalengpässen und angeordneten Betriebsschließungen, müssen die handwerklichen Betriebe weiterhin massive Umsatzrückgänge verbuchen. Bund und Länder versuchen bereits die Wirtschaft zu unterstützen und besonders gestörte Lieferketten schnellstmöglich wieder herzustellen. Betroffene können sich an die Kontaktstellen wenden, die die Wirtschaftsministerien des Bundes und der Länder für solche Fälle eingerichtet haben.

Viele werden aber dennoch vorsorglich die von Bund und Ländern zur Verfügung gestellten Hilfspakete beantragen, wie sie uns erzählten. Und wie sie, tun es ihnen viele andere Betriebe gleich. Denn laut einer Umfrage der Nachrichtenseite handwerk.com haben bereits 40% der handwerklichen Betriebe eine dieser staatlichen Soforthilfen beantragt, 21% überlegen bisher noch. Bei dem genauen Ablauf der Beantragung und dessen Voraussetzungen, die dafür gegeben sein müssen, sind sich viele der Befragten aber noch unsicher und einige Dinge seien Ihnen unklar.

Nicht nur diese Frage ist eine, auf die Notdienste verzweifelt nach einer Antwort suchen. Im Folgenden finden Sie einen Leitfaden für Ihren Notdienst, der Ihnen in der aktuellen Corona-Krise dabei helfen soll, Ihre Fragen zu klären.

Corona-Leitfaden für Handwerkernotdienste

Leitfaden

Hier haben wir die wichtigsten Infos für Handwerkernotdienste in Zeiten der Corona-Krise zusammengestellt

Darf ich als Notdienst überhaupt noch rausfahren?

Grundsätzlich dürfen dringend erforderliche, nicht verschiebbare Handwerksarbeiten laut Chip fortgeführt werden. Körpernahe Handwerkstätigkeiten, bei denen der Mindestabstand zum Kunden nicht eingehalten werden kann, sind jedoch bis auf weiteres untersagt. So dürfte beispielsweise ein Schlüsseldienst weiter Türen öffnen oder ein Rohrbruch dürfte repariert werden. Der Zentralverband des deutschen Handwerks ergänzt, dass Handwerker auch nach den neuesten Bestimmungen der Bundes- und Landesregierung Handwerker weiterhin gewerblich tätig sein dürfen – gegebenenfalls auch unter Ergreifen von Schutzvorkehrungen, um sich und andere nicht zu infizieren. Dies gelte auch, wenn ein Kontaktverbot oder eine Ausgangssperre verhängt wurde. Im letztgenannten Fall sollte ein Betriebsinhaber seinen Mitarbeitern eine entsprechende “Bescheinigung zur Vorlage bei einer Ausgangssperre” ausstellen. Einen Vordruck zum Download finden Sie hier

Welche Hygienevorschriften sollte ich bei der Arbeit beachten?

Es sind die vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Hygienemaßnahmen einzuhalten, dazu zählt beispielsweise regelmäßiges Händewaschen und das Halten von ausreichend Abstand (mindestens 1,5 Meter).

Darüber hinaus haben alle Bundesländer eine Maskenpflicht eingeführt. In allen Bundesländern gilt die Bestimmung für den öffentlichen Nahverkehr, einige erweitern ihre Bestimmungen auch für den Einzelhandel, Wochenmärkte oder öffentliche bzw. städtische Gebäude. Hier wird deutlich: Geltungsdatum, Art der Maske und Orte, wo die Masken getragen werden müssen, können sich also je nach Bundesland unterscheiden. Eine Übersicht, welche Bestimmungen bei der Maskenpflicht in Ihrem Bundesland gelten, hat die Tagesschau zusammengestellt.

Die Bundesregierung hält auch an ihrer dringenden Empfehlung zum Tragen von Masken fest, vor allem dort, wo der Abstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden kann. Besonders bei Aufträgen in Haushalten wäre es also zu empfehlen, dass Sie und Ihre Mitarbeiter eine Maske tragen, um sich und Ihre Kunden zu schützen.

Die Handwerkskammer empfiehlt darüber hinaus, sich vor jedem Kundenbesuch nach möglichen Corona-Erkrankungen im Haushalt zu erkundigen und falls nötig, entsprechende Schutzkleidung mit sich zu führen. Zudem sollen wo immer möglich Schutzhandschuhe getragen werden und Desinfektionsmittel benutzt werden – sowohl für die Hände als auch für Oberflächen, die berührt werden müssen. Arbeiten in Häuser oder Wohnungen, in denen die Bewohner unter Quarantäne stehen, dürfen nur im äußersten Notfall, der die Sicherheit der Bewohner bedroht, ausgeführt werden – und auch dann nur unter massiven Schutzvorkehrungen. Sollte eine Person aus dem Haushalt positiv auf Covid-19 getestet werden, so gilt auch der Handwerker, der die Arbeiten erledigt hat, als Kontaktperson und muss sich selbst in Quarantäne begeben.

Welche besondere Verantwortung ergibt sich für Arbeitgeber?

Arbeitgeber haben die wichtige Verantwortung ihre Mitarbeiter vor einer Ansteckung zu schützen. Das geschieht, indem jedes Unternehmen in Deutschland ein Hygienekonzept umsetzen und streng einhalten muss, wie die Bundesregierung am 15.04.2020 noch einmal betonte.

So müssen Arbeitgeber beispielsweise sicherstellen, dass der Mindestabstand auch im Büro, im Freien oder in Fahrzeugen eingehalten wird. Außerdem haben sie die besondere Verantwortung Risikogruppen entsprechend zu schützen und sollen ihren Mitarbeitern, wo immer es möglich ist die Arbeit im Home-Office ermöglichen und den Kontakt zu Kunden zu vermeiden. Da dies gerade bei Handwerksbetrieben kaum möglich ist gilt hier: Der Arbeitgeber muss Waschgelegenheiten bzw. Desinfektionsspender, Nasen-Mund-Bedeckungen (sowohl für Mitarbeiter als auch Kunden) und zusätzliche Reinigungen gemeinsam genutzter Flächen bereitstellen. Es sollte des Weiteren besonders auf die Nies- und Hustetikette (immer in die Ellenbeuge) hingewiesen werden. Für Handwerksbetriebe mit Ladenfläche gilt: Es muss eine maximale Personenzahl (für Kunden und Personal) vorgegeben und eingehalten werden. Diese wird individuell bezogen auf die Verkaufsfläche angepasst, damit der Mindestabstand weiterhin eingehalten werden kann.

In Krisenzeiten wie diesen ist die Kommunikation am Arbeitsplatz wichtiger denn je. Der Arbeitgeber hat die Pflicht den Mitarbeitern zu verdeutlichen, dass die Gesundheit immer vor geht. Das bedeutet, dass er ebenfalls darauf achtet, dass kein Mitarbeiter krank zur Arbeit erscheint bzw. bei plötzlichen Symptomen sofort den Arbeitsplatz verlässt. Des Weiteren sollen die Abläufe, wenn es möglich ist, so umstrukturiert werden, dass die Mitarbeiter kaum direkten Kontakt zueinander haben. Dies ist beispielsweise durch Schichtarbeit oder unterschiedliche Pausenzeiten möglich.

Besonderes bei vielen kleinen Handwerksbetrieben können diese Vorgaben Probleme verursachen, da sich mit wenigen Mitarbeitern nicht viel umstrukturieren lässt. Das ausführliche Arbeitsschutzgesetz gegen Covid-19 kann hier noch einmal nachgelesen werden. Bei weiteren Fragen können Sie sich an das Bundesministerium für Arbeit und Soziales wenden.

Darf ich jetzt mehr Geld für meine Arbeit verlangen? 

Höhere Preise dürfen Chip zufolge grundsätzlich nicht verlangt werden. Viele Handwerker verlangen aktuell einen “Corona-Notdienstzuschlag”. So etwas sei nicht erlaubt. Wenn der Kunde allerdings an Covid-19 erkrankt oder ein Risikofall ist, weshalb besondere Vorkehrungen getroffen werden müssen (z. B. spezielle Schutzkleidung getragen werden muss), dürfen Sie Ihrem Kunden dies in Rechnung stellen. Das sollte aber vor Leistungserbringung kommuniziert werden.

Im Moment ändern sich täglich Regelungen. Wo erhalte ich tagesaktuelle Infos?

Bei der Handwerkskammer Ihres jeweiligen Ortes. Unter der Rubrik “Aktuelles über Corona” erhalten Sie bereits auf der Website viele der für Sie wichtigen Informationen. Zudem haben die Handwerkskammern eine Hotline eingerichtet. Wenn Sie die Rufnummer der Handwerkskammer anrufen und um Corona-Beratung bitten, werden Sie innerhalb von Sekunden an eine Hotline weitergeleitet. Das hat in unserem Test reibungslos funktioniert. Außerdem finden Sie Informationen auf allen offiziellen Webseiten der Behörden und Länder, beispielsweise beim Land NRW, oder auf den Seiten der Bundesregierung, des Gesundheitsministeriums, des Robert-Koch-Instituts, des Gesundheitsamtes Ihrer jeweiligen Region oder auf der speziell für diese Krise eingerichteten Seite www.zusammengegencorona.de, die vom Bundesministerium für Gesundheit betrieben und täglich aktualisiert wird. Aktuell sind außerdem eine Reihe von Falschinformationen zur gesamten Corona-Krise und zu den weiteren Bestimmungen der Regierung im Umlauf. Vertrauen Sie daher nur den offiziellen Quellen und Webseiten und lassen Sie sich nicht durch falsche, unbestätigte oder unseriöse Informationen verunsichern.

Welche Soforthilfe erhalte ich von Bund und Ländern, um meine wirtschaftliche Existenz zu retten?

Kleine Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler können Soforthilfen erhalten, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Dies wurde am 27.03.2020 beschlossen. Die Hilfeleistungen belaufen sich bei Unternehmen mit

  • bis zu 5 Beschäftigten auf bis zu 9.000€
  • bis zu 10 Beschäftigten auf bis zu 15.000€

Die Beträge sind aber von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und können daher leicht abweichen.

Voraussetzung dafür, die Soforthilfe zu erhalten sei zum Beispiel, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten eine Folge des Coronavirus sind, d. h., dass der Schaden nach dem 11.03.2020 eingetreten ist. Ob wirklich eine Existenzgefährdung vorliegt und ob alle weiteren Voraussetzungen erfüllt sind, soll erst im Nachgang geprüft werden, um die Hilfe so schnell wie möglich zur Verfügung zu stellen. Nicht notwendige Zuschüsse sollen dann in ein Darlehen umgewandelt werden.  Genauere Informationen über weitere Voraussetzungen, Informationen, die zur Antragstellung der Soforthilfe benötigt werden sowie den Antrag selbst, finden Sie beim Wirtschaftsministerium Ihres Bundeslandes. Hier gelangen Sie zu einer Liste der entsprechenden Internetseiten der einzelnen Bundesländer. Weitere nützliche Informationen und Dokumente finden Sie hier und hier.

Wie kann ich alternativ dazu Hilfe erhalten?

Sie können außerdem Kredite bei den staatlichen Förderbanken erhalten, wie beispielsweise der KfW. Beantragen können Sie diese bei Ihrer Hausbank, wenn Sie bis zum 31.12.2019 nicht in wirtschaftlichen Schwierigkeiten waren. Der Nachteil dieser Kredite im Vergleich zu den Soforthilfen von Bund und Ländern: Die KfW-Darlehen müssen in voller Höhe zuzüglich Zinsen zurückgezahlt werden.

Kann ich steuerliche Hilfsmaßnahmen erwarten?

Um die Liquidität von Unternehmen zu gewährleisten, die unmittelbar von der Corona-Krise betroffen sind, besteht in allen Bundesländern die Möglichkeit zur Steuerstundung und zur Senkung von Vorauszahlungen, wie der ZDH berichtet. Es können bereits fällige sowie fällig werdende Einkommensteuer und Körperschaftsteuer (inklusive Solidaritätszuschlag), die Umsatzsteuer (auf Antrag) und die Gewerbesteuer mittels einer Herabsetzung von Gewerbesteuer-Vorauszahlungen gestundet werden. Des Weiteren kann auch die Rückzahlung der bereits geleisteten Umsatzsteuersondervorauszahlungen für 2020 beantragt werden. Auch bundesgesetzlich geregelte Steuern können gestundet bzw. in Bezug auf die Vorauszahlungen angepasst werden. Darunter fallen beispielsweise die Kfz-Steuer, die Energie- und Stromsteuer sowie die Einfuhrumsatzsteuer.

Sollte klar sein, dass die Einkünfte im nächsten Jahr geringer sein werden, sollen Steuervorauszahlungen schneller und weniger kompliziert herab gesetzt werden. Anträge zur Stundung oder Anpassung jeweiliger Steuern können bis zum 31.12.2020 eingereicht werden. Da es je nach Bundesland zu leichten Abweichungen der Stundungen und Beantragungen kommen kann, finden Sie auf der Seite Ihres Bundeslandes detaillierte Informationen.

Mein Mitarbeiter / Ich als Selbstständiger stehe unter Quarantäne. Wer zahlt?

Steht ihr Mitarbeiter unter Quarantäne, da er am Coronavirus erkrankt ist, müssen Sie gemäß §56 des Infektionsschutzgesetzes bis zu 6 Wochen Lohnfortzahlung leisten. Bei einer vorsorglichen Quarantäne müssen Sie eine Entschädigung in Höhe des Krankengeldes zahlen. Diese beläuft sich nach Angaben des Handwerksblatts auf 70 % des Bruttogehalts, aber nicht mehr als 90 % des Nettogehalts und nicht mehr als 109,38 € pro Tag. Diese Beträge können sie sich anschließend von der Behörde (meist dem Gesundheitsamt) zurückholen, wenn der Antrag innerhalb von 3 Monaten gestellt wird. Besondere Regelungen würden hier für Solo-Selbstständige gelten. Auch diese erhielten Entschädigungen in Höhe eines bestimmten Prozentsatzes des Einkommens aus dem letzten Jahr, zuzüglich zu Erstattungen zur Betriebsausgaben. Das für Sie zuständige Amt, bei dem Sie den Antrag erhalten, können Sie hier finden.

Besteht eigentlich eine Meldepflicht für Covid-19?

Dem Robert-Koch-Institut zufolge gibt es seit dem 01.02.2020 eine Verordnung über die Meldepflicht der Erkrankung. Es müssen der Verdacht einer Erkrankung am Coronavirus, die Erkrankung und der durch die Erkrankung verursachte Tod gemeldet werden. Genaue Informationen über beispielsweise wann ein Verdacht vorliegt, Meldefristen, den Meldeweg und die Meldeinhalte erhalten Sie hier.

Ich habe so wenige Aufträge, dass ich meine Mitarbeiter nicht weiter beschäftigen kann. Was kann ich tun?

Sie haben die Möglichkeit, Kurzarbeitergeld zu beantragen. Dabei könne Sie die Arbeitszeit Ihrer Mitarbeiter reduzieren, ohne dass diesem dabei erhebliche Verluste erstehen. Ein Rechenbeispiel der Telekom hilft bei der Veranschaulichung: Ihr Mitarbeiter verdient 3.000€ brutto (1.938€ netto) bei einer 40-Stunden Woche. Reduzieren Sie die Arbeitszeit auf 20 Stunden, bliebe ihm also ein Bruttolohn von 2.000€ (1.129€ netto). Somit hat ihr Mitarbeiter einen Nettoverdienstausfall von 809€ . Hier kommt die Agentur für Arbeit ins Spiel. Sie übernimmt 60% (bei Müttern und Vätern 67%) dieses Ausfalls. Im Rechenbeispiel würde sie also 485€ auf das Konto ihres Mitarbeiters überweisen, sodass dieser in Summe über ein Nettoeinkommen von 1.614€ verfügen könnte.

Wie beantrage ich Kurzarbeitergeld und unter welchen Umständen?

Kurzarbeitergeld können Sie nach Angaben der Agentur für Arbeit beantragen, wenn die üblichen Arbeitszeiten vorübergehend wesentlich verringert sind. Wenn Sie also wesentlich weniger Aufträge erhalten, zum Beispiel weil wie im Falle eines Schlüsseldienstes weniger Türen geöffnet werden müssen (weil die Leute das Haus seltener verlassen), hätten Sie das Recht auf Kurzarbeitergeld. Für Minijobber ist die Beantragung von Kurzarbeit im übrigen nicht möglich. Bei Auszubildenden sieht die Lage laut ZDH etwas schwieriger aus, da ihre Arbeitsverhältnisse als Vertragsverhältnisse besonderer Art gelten. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber verpflichtet ist, alle Maßnahmen, die zur Weiterführung und Sicherstellung der Ausbildung führen, zu ergreifen. Gerade bei kleinen Betrieben mit wenigen Mitarbeitern ist das aber teilweise unmöglich, was dazu führt, dass auch der Auszubildende in Kurzarbeit geschickt werden kann. Die Besonderheit hierbei ist aber, dass der Arbeitgeber verpflichtet ist mindestens sechs Wochen die volle Ausbildungsvergütung zu zahlen.

Beantragen müssen Sie die Kurzarbeit bei Ihrer Arbeitsagentur. Informationen dazu erhalten Sie auf der Internetseite der Agentur oder unter der kostenlosen Rufnummer 0800/4555520.

Trotz Kurzarbeitergeld und Hilfen des Staates kann ich meine Miete nicht zahlen. Kann man mir jetzt kündigen?

Nein, für diesen Fall hat sich der Staat eine Schutzmaßnahme einfallen lassen. Dem Mieterbund zufolge kann normalerweise kann ein Vermieter einen Mieter kündigen, der in zwei Folgemonaten seine Miete nicht begleicht. Nach Angaben des Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz gibt es seit dem 01.04.2020 ein neues Gesetz das regelt, dass Mietern bis zum 30.06.2020 nicht wegen Mietschulden gekündigt werden darf. Damit ist die Mietschuld aber nicht aufgehoben, sie wird nur auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Schreib uns, wenn Du weitere Fragen hast, die wir bisher nicht beantwortet haben.

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Wo beantrage ich die Soforthilfen in meinem Bundesland?

Wichtig: In den letzten Wochen ist es vermehrt zu Betrugsfällen in Bezug auf die Corona-Soforthilfen gekommen. Dabei stellten Betrüger gefälschte, teils sehr detailgetreue Webseiten zur Beantragung der Soforthilfen online und griffen so tausende Daten ab, mit denen diese dann selbst Anträge zur Förderung stellen konnten.

Vertrauen Sie also unbedingt nur den offiziellen Seiten der jeweiligen Bundesländer zur Beantragung der Soforthilfe und vergewissern Sie sich, dass auch die Domain stimmt. Für Fragen und Probleme haben die Länder jeweilige Hotlines eingerichtet, bei denen Sie nicht zögern sollten diese zu kontaktieren, wenn Sie Zweifel haben.

  • Hamburg:

    https://www.ifbhh.de/foerderprogramm/hcs → Informationen zur Soforthilfe des Bundes und zur ergänzenden Förderung des Landes Hamburg; es werden Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern gefördert. Der Antrag kann ausschließlich online gestellt und eingereicht werden.

  • Hessen:

    https://rp-kassel.hessen.de/corona-soforthilfe → Informationen und Ausfüllhilfen zur Soforthilfe sowie der Link zum Online-Formular; Der Geldbetrag der Soforthilfe versteht sich inklusive der vom Bund bereitgestellten Mittel

  • Niedersachsen:

    https://www.soforthilfe.nbank.de/ → Informationen zur Soforthilfe sowie Link zum Antrag; einzureichen ausschließlich per Mail an antrag@soforthilfe.nbank.de. Seit dem 31.03.2020 sind Bundes-und Landesförderung in einem Antrag kombiniert, Unternehmer, die den Antrag vor diesem Stichtag gestellt haben, können die Bundesförderung zusätzlich beantragen.

  • NRW:

    Ab Freitag, 17.04.2020, können in NRW wieder Anträge zur Soforthilfe gestellt werden. Zuvor war das Verfahren aufgrund einiger Betrugsfälle zum Schutz der Antragsteller*innnen gestoppt worden. https://www.wirtschaft.nrw/nrw-soforthilfe-2020 → Informationen zur Handhabung der Betrugsfälle sowie zur Soforthilfe des Bundes und des Landes NRW inklusive Link zum Antragsformular.

  • Rheinland-Pfalz:

    Rheinland-Pfalz verweist auf die Soforthilfe des Bundes; als Land stockt sie mit Darlehen auf, die zurückgezahlt werden müssen https://mwvlw.rlp.de/de/themen/corona/ → Informationen und Anträge für die Soforthilfe vom Bund und Darlehen vom Land Rheinland-Pfalz

(Stand: 17.04.2020, 12 Uhr)


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